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Di, 09:45 Uhr
07.07.2020
Kreischef der Freien Wähler spendet Diätenerhöhung

240 Euro für Thondorfer Denkmal der Gefallenen

Falk Belger machte keinen großen Hehl daraus: „Als ich am Freitag las, dass das Geld schon auf dem Spendenkonto war, musste ich mir tatsächlich eine Träne wegdrücken.“ Mit dem Geld sind 240 Euro gemeint, die...

Auf der Platte des Kriegerdenkmals stehen etliche Namen von Kriegsopfern, deren Nachkommen heute noch in Thondorf leben. (Foto: J. Miche) Auf der Platte des Kriegerdenkmals stehen etliche Namen von Kriegsopfern, deren Nachkommen heute noch in Thondorf leben. (Foto: J. Miche)
...der Kreisvorsitzende Mansfeld-Südharz der Freien Wähler und Landtagsabgeordnete Jens Diederichs (Freie Wähler) für die Sanierung des Kriegerdenkmals in Thondorf gespendet hat. Bis Ende 2020 will der Abgeordnete weiterhin monatlich einem Verein bzw. einer Initiative seiner Heimat auf diese konkrete Weise helfen.

Falk Belger (rechts) nahm aus der Hand von Jens Diederichs einen symbolischen Scheck über 240 Euro entgegen. Das Geld war bereits zuvor überwiesen worden. (Foto: J. Miche) Falk Belger (rechts) nahm aus der Hand von Jens Diederichs einen symbolischen Scheck über 240 Euro entgegen. Das Geld war bereits zuvor überwiesen worden. (Foto: J. Miche)
Jens Diederichs sagte über seine Motivation: „In der Corona-Zeit hatten auch viele kleine Vereine keine Einnahmen, aber weiterhin Ausgaben. Als ich im April erfuhr, dass die Abgeordneten des Landtages, zu denen ich halt auch gehöre, ab Juli eine Diätenerhöhung erhalten, wusste ich: Meine Diätenerhöhung spende ich zu 100 Prozent einem Verein oder einer Initiative in meiner Heimat.“

Spendenmarathon folgt
Bislang ist Diederichs der einzige Landtagsabgeordnete, der sich öffentlich dazu bekannte, seine Diätenerhöhung komplett wegzugeben. Er werde es jeden Monat bis zum Jahresende tun. So dürften sich nach bisherigen Überlegungen auch die Heimatvereine Siersleben und Wolferode, der Radsportverein Bornstedt und der Helbraer Verein Schmid-Schacht auf eine Unterstützung freuen.

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Die erste Spende ging nun nach Thondorf. Sie soll, so Falk Belger, für die Restaurierung des Denkmals für die im 1. Weltkrieg Gefallenen des Ortes verwendet werden. Gemeinsam mit dem Siersleber Giesbert Müller (ein ehemaliger Thondorfer, der sich seit Jahren um das Umfeld des Kriegerdenkmals kümmert) entwickelte er die Idee zur Restaurierung des Denkmals, das vor der Kirche St. Georg steht.

Als Erstes soll die Schrift auf der Gedenkplatte erneuert werden. Ein im vorigen Jahr eingeholter Kostenvoranschlag beläuft sich auf 773,50 Euro. Falk Belger vermutet allerdings, dass sich der Preis in diesem Jahr schon etwas erhöht haben könnte. Er sagte gestern: „Mir liegt es sehr am Herzen, dass das Denkmal wieder in Ordnung gebracht wird. Da stehen etliche Namen von Leuten drauf, von denen noch heute Nachfahren im Ort leben.“

Beziehungen reichen lange zurück
Für die Rettung und Wiederherstellung des Kriegerdenkmals konnten viele Thondorfer gewonnen werden. Laut Belger sind bereits zahlreiche Spenden auf das Sonderkonto bei der Kirchgemeinde eingegangen. Insofern freuten sich die zur Scheckübergabe Erschienenen auch über die Teilnehme des Gemeindekirchenrates Arndt Szierbowski. Er wohnt in Hübitz, fühlt sich dem Anliegen der Thondorfer aber auch sehr verbunden, versicherte er während eines Gesprächs mit den Vertretern des Kreisvorstandes der Freien Wähler, dessen Vorsitzender der Abgeordnete Jens Diederichs ist. In seiner Begleitung waren sein Stellvertreter Peter Frobel und der Schatzmeister des Kreisverbandes, Christopher Heinbach, nach Thondorf gekommen.

Frobels und Diederichs Beziehungen zu dem Ort reichen bis 2016 zurück. Damals setzten sich viele Bürger entschieden dagegen zur Wehr, dass der CDU-dominierte Gerbstedter Stadtrat unter seinem CDU-Bürgermeister Schwarz den Verkauf der etwa vier Hektar großen Waldfläche „Auf dem Dampf“ (Teil einer erfolgreich renaturierten Hausmülldeponie) durchsetzt. Der Investor wollte dort eine großflächige Photovoltaikanlage errichten. Schwarz hoffte mit dem Verkauf des einzigen Stückchens Wald rund um Thondorf, der „grünen Lunge“ des Ortes, in Gerbstedt ein finanzielles Loch stopfen zu können, welches die Stadt selbst geschaffen hatte. Aus dem Geschäft wurde aber nichts, nachdem die Thondorfer mit Hilfe der Hettstedter Umweltgruppe „Pro Baum“ und seinem Leiter Peter Frobel sowie dem Landtagsabgeordneten Jens Diederichs durch vielfältige Maßnahmen, darunter Demonstrationen „Auf dem Dampf“ und vor dem Gerbstedter Rathaus, das Abholzen der zahlreichen jungen Bäume verhindert hatten.

Zahlreiche Interessierte fanden sich zur Scheckübergabe am Denkmal ein. (Foto: J. Miche) Zahlreiche Interessierte fanden sich zur Scheckübergabe am Denkmal ein. (Foto: J. Miche)
Gefallene sind nicht mehr vergessen
Falk Belger, der Vorsitzende der „Thondorfer Dorffreunde 2007“, erinnerte an diese erfolgreiche Aktion vor vier Jahren. Die „grüne Oase“, wie mancher das schöne Fleckchen Erde nennt, ist längst Teil des geselligen Lebens der Dorfgemeinschaft. Unter anderem findet hier alljährlich ein von den „Dorffreunden“ organisiertes Grillfest statt. In diesem Jahr musste es bisher aber coronabedingt ausfallen. Doch verschoben ist nicht aufgehoben, hieß es gestern im Umfeld des Kriegerdenkmals vor der Georgskirche. Das evangelische Gotteshaus St. Georg sieht angesichts des eingefallenen Kirchenschiffs selbst aus, als benötige es Hilfe, dennoch geht von dem Objekt dank seines massiven und offenbar intakten Turms eine Kraft und Zuversicht aus, die manchen Betrachter berührt.

Eine Wiederherstellung der Kirche steht allerdings nicht auf der Tagesordnung, wie Arndt Szierbowski im Gespräch mit Dipl.-Bauingenieur Herbert Eckhardt andeutete. Sie besahen sich die Kirche während eines kleinen Rundgangs und waren sich in einem Punkt einig: Bei rund 20 Predigtstellen, die das auch für Thondorf zuständige Gerbstedter Pfarrerpaar Binder-Kienel zu betreuen hat, bleibt kaum Kraft für die Georgskirche. Immerhin gibt es Initiativen wie die angestrebte Sanierung des Denkmals, das die Namen vieler im 1. Weltkrieg gefallener junger Thondorfer trägt. Ihnen eignete Giesbert Müller diese Zeilen zu: „Ihr kämpftet für Wilhelm und dientet dem Land. Ihr wurdet vergessen, wir finden’s eine Schand‘.“ (Mit Wilhelm ist Kaiser Wilhelm II. gemeint.)

Die Pflege des Denkmalumfeldes, die Übergabe des symbolischen Schecks und die vielen guten Gespräche am Denkmal sind ein Hinweis darauf, dass die Männer, denen zwischen 1914 und 1918 das Leben und damit eine Zukunft als glückliche Familienväter und tüchtige Handwerker und Landwirte genommen wurde, in Thondorf nicht mehr vergessen sind.
Jochen Miche

BILDTEXTE

1. Zahlreiche Interessierte fanden sich zur Scheckübergabe am Denkmal ein. Foto: J. Miche

2. Falk Belger (rechts) nahm aus der Hand des MdL Jens Diederichs einen symbolischen Scheck über 240 Euro entgegen. Das Geld war bereits zuvor überwiesen worden. Foto: J. Miche

3. Auf der Platte des Kriegerdenkmals stehen etliche Namen von Kriegsopfern, deren Nachkommen heute noch in Thondorf leben. Foto: J. Miche
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