Mi, 00:33 Uhr
07.12.2016
Regierung ehrt Ehrenamtliche mit fast perfekter Feier
Zu Gast im Palast
Ein Gruppenfoto, Laudationes, ein fürstliches Essen, interessante Gespräche mit Ministern und Landtagsabgeordneten und am Ende ein hübsches Geschenk: Die Dankeschön-Veranstaltung der Landesregierung für verdienstvolle ehrenamtlich Tätige ließ kaum Wünsche offen, wie auch Menschen aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz bestätigen können.
Die Namen der zu Ehrenden waren von den im Landtag von Sachsen-Anhalt vertretenen Fraktionen vorgeschlagen worden. Die Dankeschön-Veranstaltung fand im "Palais am Fürstenwall" statt, einem kleinen Palast in der Nähe von Dom und Elbe, der im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden war. Er ist heute Sitz der Staatskanzlei, einer Behörde der Landesregierung.
Gruppenfoto auf der Palasttreppe. Jeder eingeladene Ehrenamtliche erhielt später als Erinnerung ein solches Foto. (Foto: Jochen Miche)
Zu den 25 Ehrenamtlichen gesellten sich an diesem Tag Minister, Staatssekretäre und Landtagsabgeordnete sowie weitere Personen. Die Begleitungen der zu Ehrenden wurden vor dem eigentlichen Festakt zu einer Führung durch den Landtag von Sachsen-Anhalt und durch den Dom eingeladen. Später kamen sie zurück in die Staatskanzlei. Dort waren gerade die Lobreden des Ministerpräsidenten und die kleinen Vorstellungsrunden verschiedener Ehrenamtlicher sowie ein ebenso mehrstündiges wie mehrgängiges Festessen beendet worden.
Die vom Touristenprogramm zurückkehrende Gruppe betrat das Vestibül genau in dem Moment, als oben der Schlussapplaus erklang und die Tafel aufgehoben wurde. Die Ehrenamtlichen und obersten Staatsdiener trafen sich anschließend im prunkvollen Vorraum des Palastes - und langten erst einmal bei belegten Brötchen, Kaffee und Kuchen zu. Das Festmahl eine Etage höher war wunderschön anzusehen, doch ebenso überschaubar gewesen. Am Wein hatte sich auch niemand betrinken können - mancher die Treppe Herabschreitende wirkte geradezu dehydriert, so groß war das Verlangen einiger nach Saft oder Selters.
Die Vorspeise liegt bereit. Zwischen den einzelnen Gängen des Festessens wurden Reden gehalten. (Foto: Jochen Miche)
Eine schöne Geste: Ministerpräsident, Minister und Landtagsabgeordnete mischten sich im Vestibül unter die Paare, die viel Interessantes zu erzählen hatten – vom immerhin interessant aussehenden – Essen im Festsaal die einen, vom Besuch zweier berühmter Magdeburger Gebäude die anderen. Ministerpräsident Rainer Haseloff, der die Leistungen der Ehrenamtlichen im Festsaal als unverzichtbar und wertvoll für das Gemeinwohl gewürdigt hatte, gesellte sich auch zu den beiden Geehrten aus Eisleben und Hettstedt, Bernd Richter, und Hans-Jürgen Peter Frobel.
Richter sucht, findet und birgt seit 1975 als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger Zeugen der Ur- und Frühgeschichte, insbesondere der Besiedlungsgeschichte des Landkreises Mansfeld-Südharz. Seit mehr als 40 Jahren geht er diesem zeitraubenden, doch wie er selbst sagt, "immer wieder spannenden" Hobby nach, seit der Wende jedoch als "Ehrenamtlich Beauftragter des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege"; wer ihn wie einst als "Bodendenkmalpfleger" anspricht, spart Zeit und hat die Chance, früher als andere in die Geheimnisse alter Knochen-, Tonscherben- und Waffenfunde eingeweiht zu werden.
Peter Frobel (li.) mit Rainer Haseloff (Mitte) und Bernd Richter (dahinter) und den Partnerinnen im Vestibül. (Foto: Jochen Miche)
Während Bernd Richter hilft, die Vergangenheit besser zu verstehen, richtet sich der Blick Peter Frobels mehr vom Heute in die Zukunft. Der Natur- und Umweltfreund, der vor Jahren die Initiative "Pro Baum", Hettstedt, ins Leben gerufen hatte, kämpft für den Erhalt bedrohter Bäume, für die Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für Umweltfragen und für die Verhinderung von Umweltsünden.
Seine Arbeitsfelder findet er im gesamten Landkreis verteilt, aktuell unter anderem in Kelbra, Thondorf und Hettstedt. Und vor allem organisiert Pro Baum bevorzugt Aktionen, bei denen Kinder einbezogen werden. Davon berichtete Frobel während des Festessens in der Staatskanzlei und überzeugte selbst Regierungschef Rainer Haseloff. Diesen lud Frobel ein, selbst einen Baum zwischen Meisdorf und Walbeck zu pflanzen und auch gleich den Spaten hierfür mitzubringen - und der Ministerpräsident sagte unter dem Applaus der rund 90 Teilnehmer der Veranstaltung zu, eventuell im kommenden Frühjahr mitsamt Werkzeug und Bäumchen ins Mansfelder Land zu reisen.
Beide, Richter und Frobel, investieren seit Jahren ungezählte Freizeitstunden, eigenes Geld und Kraft in ihre Leidenschaften. Ihre und die Leistungen anderer Menschen, die sich in sozialen, kulturellen oder Umweltbereichen hohe Verdienste erworben haben, wurden mit der Chance, hochrangige Politiker kennenzulernen, einem Essen, einer Flasche Saale-Unstrut-Wein und einem Erinnerungsfoto gewürdigt.
Doch weder die atemberaubend prunkvolle location noch das hervorragende timing entschädigten für etwas sehr Traditionelles, worauf etliche Eingeladene vergeblich warteten: eine Urkunde. Gerade die, die nahezu täglich mit oft hartleibigen Behörden oder Kontrahenten ringen müssen, um etwas Gutes für Schwache bewirken zu können, wissen um den unschätzbaren Wert von Stempel und Unterschrift unter einer Genehmigung, einer Förderzusage oder einem Antrag sonstiger Art.
Wenn es sie selbst aber betrifft, sie vielleicht ein einziges Mal in ihrem Leben das Glück einer Zusage, einer Anerkennung von "ganz oben" errungen haben, wird ihnen gerade diese kleine Geste, die Urkunde, verweigert. Da bleibt bei manchem ein bitterer Nachgeschmack, den nicht einmal ein noch so trockener Saale-Unstrut-Wein wegzuspülen vermag.
"Das Foto und der Wein im Sachsen-Anhalt-Beutel sind sehr schön", erklärte Peter Frobel unserer Zeitung später. "Aber den Wein hat gleich unser Fahrer als Dankeschön erhalten." Auf die Frage, was er als Erinnerung an die Wand in seinem Büro hängen wird, fragte er mit einem nicht sehr glücklichen Schmunzeln zurück: "Das Bild und den Beutel vielleicht?"
Jochen Miche
Autor: jmDie Namen der zu Ehrenden waren von den im Landtag von Sachsen-Anhalt vertretenen Fraktionen vorgeschlagen worden. Die Dankeschön-Veranstaltung fand im "Palais am Fürstenwall" statt, einem kleinen Palast in der Nähe von Dom und Elbe, der im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden war. Er ist heute Sitz der Staatskanzlei, einer Behörde der Landesregierung.
Gruppenfoto auf der Palasttreppe. Jeder eingeladene Ehrenamtliche erhielt später als Erinnerung ein solches Foto. (Foto: Jochen Miche)
Zu den 25 Ehrenamtlichen gesellten sich an diesem Tag Minister, Staatssekretäre und Landtagsabgeordnete sowie weitere Personen. Die Begleitungen der zu Ehrenden wurden vor dem eigentlichen Festakt zu einer Führung durch den Landtag von Sachsen-Anhalt und durch den Dom eingeladen. Später kamen sie zurück in die Staatskanzlei. Dort waren gerade die Lobreden des Ministerpräsidenten und die kleinen Vorstellungsrunden verschiedener Ehrenamtlicher sowie ein ebenso mehrstündiges wie mehrgängiges Festessen beendet worden.
Die vom Touristenprogramm zurückkehrende Gruppe betrat das Vestibül genau in dem Moment, als oben der Schlussapplaus erklang und die Tafel aufgehoben wurde. Die Ehrenamtlichen und obersten Staatsdiener trafen sich anschließend im prunkvollen Vorraum des Palastes - und langten erst einmal bei belegten Brötchen, Kaffee und Kuchen zu. Das Festmahl eine Etage höher war wunderschön anzusehen, doch ebenso überschaubar gewesen. Am Wein hatte sich auch niemand betrinken können - mancher die Treppe Herabschreitende wirkte geradezu dehydriert, so groß war das Verlangen einiger nach Saft oder Selters.
Die Vorspeise liegt bereit. Zwischen den einzelnen Gängen des Festessens wurden Reden gehalten. (Foto: Jochen Miche)
Eine schöne Geste: Ministerpräsident, Minister und Landtagsabgeordnete mischten sich im Vestibül unter die Paare, die viel Interessantes zu erzählen hatten – vom immerhin interessant aussehenden – Essen im Festsaal die einen, vom Besuch zweier berühmter Magdeburger Gebäude die anderen. Ministerpräsident Rainer Haseloff, der die Leistungen der Ehrenamtlichen im Festsaal als unverzichtbar und wertvoll für das Gemeinwohl gewürdigt hatte, gesellte sich auch zu den beiden Geehrten aus Eisleben und Hettstedt, Bernd Richter, und Hans-Jürgen Peter Frobel.
Richter sucht, findet und birgt seit 1975 als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger Zeugen der Ur- und Frühgeschichte, insbesondere der Besiedlungsgeschichte des Landkreises Mansfeld-Südharz. Seit mehr als 40 Jahren geht er diesem zeitraubenden, doch wie er selbst sagt, "immer wieder spannenden" Hobby nach, seit der Wende jedoch als "Ehrenamtlich Beauftragter des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege"; wer ihn wie einst als "Bodendenkmalpfleger" anspricht, spart Zeit und hat die Chance, früher als andere in die Geheimnisse alter Knochen-, Tonscherben- und Waffenfunde eingeweiht zu werden.
Peter Frobel (li.) mit Rainer Haseloff (Mitte) und Bernd Richter (dahinter) und den Partnerinnen im Vestibül. (Foto: Jochen Miche)
Während Bernd Richter hilft, die Vergangenheit besser zu verstehen, richtet sich der Blick Peter Frobels mehr vom Heute in die Zukunft. Der Natur- und Umweltfreund, der vor Jahren die Initiative "Pro Baum", Hettstedt, ins Leben gerufen hatte, kämpft für den Erhalt bedrohter Bäume, für die Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für Umweltfragen und für die Verhinderung von Umweltsünden.
Seine Arbeitsfelder findet er im gesamten Landkreis verteilt, aktuell unter anderem in Kelbra, Thondorf und Hettstedt. Und vor allem organisiert Pro Baum bevorzugt Aktionen, bei denen Kinder einbezogen werden. Davon berichtete Frobel während des Festessens in der Staatskanzlei und überzeugte selbst Regierungschef Rainer Haseloff. Diesen lud Frobel ein, selbst einen Baum zwischen Meisdorf und Walbeck zu pflanzen und auch gleich den Spaten hierfür mitzubringen - und der Ministerpräsident sagte unter dem Applaus der rund 90 Teilnehmer der Veranstaltung zu, eventuell im kommenden Frühjahr mitsamt Werkzeug und Bäumchen ins Mansfelder Land zu reisen.
Beide, Richter und Frobel, investieren seit Jahren ungezählte Freizeitstunden, eigenes Geld und Kraft in ihre Leidenschaften. Ihre und die Leistungen anderer Menschen, die sich in sozialen, kulturellen oder Umweltbereichen hohe Verdienste erworben haben, wurden mit der Chance, hochrangige Politiker kennenzulernen, einem Essen, einer Flasche Saale-Unstrut-Wein und einem Erinnerungsfoto gewürdigt.
Doch weder die atemberaubend prunkvolle location noch das hervorragende timing entschädigten für etwas sehr Traditionelles, worauf etliche Eingeladene vergeblich warteten: eine Urkunde. Gerade die, die nahezu täglich mit oft hartleibigen Behörden oder Kontrahenten ringen müssen, um etwas Gutes für Schwache bewirken zu können, wissen um den unschätzbaren Wert von Stempel und Unterschrift unter einer Genehmigung, einer Förderzusage oder einem Antrag sonstiger Art.
Wenn es sie selbst aber betrifft, sie vielleicht ein einziges Mal in ihrem Leben das Glück einer Zusage, einer Anerkennung von "ganz oben" errungen haben, wird ihnen gerade diese kleine Geste, die Urkunde, verweigert. Da bleibt bei manchem ein bitterer Nachgeschmack, den nicht einmal ein noch so trockener Saale-Unstrut-Wein wegzuspülen vermag.
"Das Foto und der Wein im Sachsen-Anhalt-Beutel sind sehr schön", erklärte Peter Frobel unserer Zeitung später. "Aber den Wein hat gleich unser Fahrer als Dankeschön erhalten." Auf die Frage, was er als Erinnerung an die Wand in seinem Büro hängen wird, fragte er mit einem nicht sehr glücklichen Schmunzeln zurück: "Das Bild und den Beutel vielleicht?"
Jochen Miche

