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Sa, 22:26 Uhr
27.02.2016
Sangerhäuser Geschichtsverein feiert Jubiläum

Loth bekommt den Doktorhut

Ein Spaß mit Hintergrund: Die Vorstände Helmut Schakel (rechts) und Arno Siebeck überreichten Helmut Loth (links) einen "Doktorhut" für sein unerschöpfliches historisches Wissen über Sangerhausen und sein nimmermüdes Engagement, andere Menschen für die Heimatgeschichte zu begeistern. (Foto: Jochen Miche) Ein Spaß mit Hintergrund: Die Vorstände Helmut Schakel (rechts) und Arno Siebeck überreichten Helmut Loth (links) einen "Doktorhut" für sein unerschöpfliches historisches Wissen über Sangerhausen und sein nimmermüdes Engagement, andere Menschen für die Heimatgeschichte zu begeistern. (Foto: Jochen Miche) Alles war perfekt vorbereitet, der Vereinsvorsitzende und seine engsten Mitstreiter hatten in den zurückliegenden Wochen ganze Arbeit geleistet und überließen nichts dem Zufall bei der heutigen Jubiläumsveranstaltung „25 Jahre Verein für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung“: Ein großartiger Festvortrag, eine hochinteressante, 166-seitige neue Mitteilungsschrift und eine perfekt vorbereitete Jahreshauptversammlung erwartete die Gäste und Mitglieder des Vereins. Und doch gab es eine Überraschung für den Vereinsvorsitzenden, Helmut Loth…

Dieser konnte heute Vormittag zunächst einmal viele Mitglieder und Freunde des Geschichtsvereins als Gratulanten begrüßen, darunter Andreas Schmölling, den Vorsitzenden des 1911 gegründeten und nach 1945 aufgelösten Arterner Heimatvereins ARATORA, der sich 1990 neu gründete, alte Traditionen seines Vorgängers aufgriff und neue schuf. Wie sehr die Schicksale sich doch ähneln: Der Sangerhäuser Geschichtsverein hat eine vergleichbare Vergangenheit, wie Vorsitzender Helmut Loth erinnerte: „1873 wurde der, Verein für Geschichte und Altertumskunde von Sangerhausen und Umgebung‘ gegründet, der sich wenig später in „Verein für Geschichte und Naturwissenschaft in Sangerhausen und Umgegend“ umbenannte und als solcher am 13. April 1949 im Kulturbund integriert und damit faktisch aufgelöst wurde.“

Die Parallelen zu vielen Geschichtsvereinen sind frappierend: „1933 begann für den Verein nicht die beste Zeit“, fasste Loth knapp die Schwierigkeiten zusammen, die typisch für die beiden zurückliegenden Diktaturen waren: Heimattümelei da, politisch motivierte Geschichtsdeutelung dort. Immerhin wurde das 1952 eröffnete Spenglermuseum zum Zentrum der Heimatforschung in Sangerhausen und Umgebung für mehrere Jahrzehnte.

Am Ort der Gründung des Geschichtsvereines wird aller fünf Jahre und zu besonderen Anlässen gefeiert: im evangelischen Gemeindehaus in der Riestedter Straße in Sangerhausen. Hier hält Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger einen Vortrag zum Thema "Heimat - Fremde - Welt. Gedanken zum Jubiläum." (Foto: Jochen Miche) Am Ort der Gründung des Geschichtsvereines wird aller fünf Jahre und zu besonderen Anlässen gefeiert: im evangelischen Gemeindehaus in der Riestedter Straße in Sangerhausen. Hier hält Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger einen Vortrag zum Thema "Heimat - Fremde - Welt. Gedanken zum Jubiläum." (Foto: Jochen Miche) Als sich am 19. Januar 1991 im evangelischen Gemeindehaus in der Riestedter Straße 24 der Kreisstadt 39 an Heimatgeschichte interessierte Personen zusammenfanden und die Gründung des „Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung“ vorbereiteten, welche am 4. Februar 1991 mit der Schaffung eines ersten Vorstands und eines Revisionsorgans dann auch erfolgte, hatte sich ein Sachwalter des einstigen Geschichtsvereins neu gefunden.

Diesem Verein überbrachten heute zahlreiche Gratulanten Glückwünsche und Geschenke. Darunter Cornelia Wewetzer, die Sachgebietsleiterin Landes-, Regional- u. Heimatgeschichte des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt, die die Abkürzung des Heimatbundes LHB als „Lust auf Heimat bewegt“ neu interpretierte. Sie erinnerte an das Sangerhäuser Kulturhaus, „das es leider nicht mehr gibt“, und sie dachte „mit großer Freude an den Besuch der Maschinenfabrik, die es auch nicht mehr gibt“. Sie sagte: „So vieles, was uns in den zurückliegenden Jahren noch begegnet ist, ist inzwischen Geschichte“, und sie wünschte dem Sangerhäuser Geschichtsverein, „dass Neugier, Lust und Engagement auch in den nächsten 25 Jahren erhalten bleiben“. Bezogen auf die 25, mit der nach Helmut Loths Worten ja bereits ein Silberhochzeitsalter erreicht worden ist, zitierte Cornelia Wewetzer Franz Kafka: „Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“

Vereinsvorsitzender Helmut Loth zog in seinen „Streiflichtern“ eine Bilanz des im zurückliegenden Vierteljahrhundert im und vom Geschichtsverein Bewegten. Jedes der folgenden Stichworte ist Teil großer und teilweise großartiger Unternehmungen, Veröffentlichungen, Spendenaktionen, Feiern, historischer Umzüge, Sanierungsmaßnahmen, Forschungsarbeiten und dergleichen mehr: Reprint „Geschichte der Stadt Sangerhausen“ (1994 und 1995), Veröffentlichung der Dissertation von Herbert Wein „Geschichte der Entstehung und Verfassung der Stadt Sangerhausen“ (1996), Feierlichkeiten „800 Jahre Stadtrecht Sangerhausen“ (2004), Schaffung einer ersten Amtskette für Oberbürgermeister Dieter Kupfernagel (2004), Publikation „Zwischen Kaiser und Treuhand, Aufstieg und Untergang der Maschinenfabrik Sangerhausen“ von Michael Laschke (2006), Publikation „Von Gasbehälter und Drehstrommotor, Streiflichter zur Geschichte der Energieversorgung in Sangerhausen seit 1869“ von Hans Otto Gericke und Helmut Loth (2008), Spendenaktion zur Instandsetzung des Renaissance-Erkers am Amtsgericht, für die der Geschichtsverein 36.000 Euro gesammelt hatte und mit der laut Helmut Loth „eine Wunde mitten im Herzen der Altstadt geschlossen werden konnte“ (2005 bis 2010), Ausstellung „Friedrich Schmidt“ (2008), Publikation und Sonderausstellung im Spengler-Museum „…und dienstags zur Demo – Die friedliche Revolution 1989 in Sangerhausen“ (2009), Heft „110 Jahre genossenschaftliches Wohnen in Sangerhausen“ (2010), „80 Jahre Stadtbad“ (2010), Initiative „Erinnern und Gedenken“ (2010), Zehn Jahre Spenglerhaus – 50. Todestag von Gustav Adolf Spengler (2011), Spendenaktion für die Restaurierung der Kobermännchenfigur, deren Übergabe am 13. November 2013 erfolgte (2011 bis 2013), Publikation „Wassergeschichte der Stadt Sangerhausen von Walter Strauch (2013/2016), 1. Sangerhäuser Trinitatisfest (2013), Herausgabe vieler „Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung“.

Der Vorsitzende blickte auch in die Zukunft. Themen des Vereins sind Tagungen mit dem Landesheimatbund, das Fotoarchiv Walter Strauch, Stadtführerausbildungen und –weiterbildungen, weitere Betreuung des Spenglerhauses, Rosenfestumzug, Vorbereitung der „Historischen Spaziergänge um die Stadt Sangerhausen“ und vieles mehr.

Zum Geburtstag machte sich der Geschichtsverein auch selbst zwei Geschenke: Erstens mit einem ebenso tief schürfenden wie unterhaltsamen Festvortrag von Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger zum Thema „Heimat – Fremde – Welt. Gedanken zum Jubiläum.“ Dieser Vortrag gehört zweifellos in die nächsten „Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung“. Diese verdienstvolle Reihe ist gewissermaßen das Gedächtnis des Vereins – und eine Art Vermächtnis, das fortzusetzen allerdings auch ein gewisser Kraftakt ist, wie die Gäste der Jubiläumsveranstaltung aus den Worten des Vereinsvorsitzenden heraushörten.

Das zweite Geschenk, das sich der Verein machte, war genau dies: eine neue Ausgabe der „Mitteilungen…“, ein Doppelheft (22. und 23., 2013/2014), das eine wunderbare Überraschung bereithielt: Erstmals enthält diese Publikation Farbbilder und historische Aufnahmen von Sangerhausen. Allein die acht teilweise kolorierten Postkarten der Stadt, die aus der 3.000 Sangerhausen-Postkarten umfassenden Sammlung des Sangerhäusers Bernhard Richter stammen, rechtfertigen im Grunde genommen schon die milde Preiserhöhung des hoch informativen Heftes auf inzwischen zehn Euro. Auch ein Geschichtsverein lebt im Hier und Heute und kann sich Preisentwicklungen nicht entziehen; dafür aber erhält – im Unterschied zu manchen Preiserhöhungen im Alltag – der Kunde einen gewissermaßen unvergänglichen Gegenwert für sein Geld.

Und da gab es ja noch ein Geschenk für denjenigen, der immer dafür sorgt, dass alles im Lot ist: Helmut Loth. Bevor er die „Streiflichter aus 25 Jahren Vereinsleben“ vortragen konnte, ließ er mit fröhlicher, aber ebenso überraschter Mine eine besondere Prozedur über sich ergehen: die Ernennung zum „Ehrendoktor“. Die Vorstandsmitglieder Arno Siebeck und Helmut Schakel überreichten eine entsprechende Urkunde und verpassten Loth einen leicht überdimensionierten Doktorhut. In der Begründung für die besondere Ehrung fiel der Satz: „Wenn jemand etwas Besonderes über die Geschichte der Stadt wissen will, fällt meistens die Antwort:, Frag Helmut Loth, der weiß das.‘“ Kleine fröhliche Bemerkungen, Schmunzeln auf den Gesichtern und der begeisterte Applaus der Leute gaben Siebeck und Schakel Recht: Hier wurde der Richtige geehrt – wenn auch „nur“ mit einem Beinahe-Ehrendoktortitel. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Jochen Miche
Bernhard Richter, Freund des Vereins, brachte als Geburtstagsgeschenk eine Zusammenstellung historischer Postkarten aus seiner umfangreichen Sammlung. (Foto: Jochen Miche)
Im Publikum auch Politprominenz: Hier FDP-Kreisvorsitzender, Vereinsmitglied Harald Oster (2. v. l.) im Gespräch. (Foto: Jochen Miche)
Wird die Landtagswahl am 13. März Geschichte schreiben? Der Chef der CDU-Fraktion im Landtag, André Schröder, im Gespräch mit anderen Vereinsmitgliedern. (Foto: Jochen Miche)
Doppeltes Jubiläum: Der "Geschichtsverein Sangerhausen und Umgebung" feiert sein 25. Jubiläum im Gemeindehaus in der Riestedter Straße. Dieses Gebäude wurde genau heute vor 100 Jahren als evangelisches Gemeindehaus mit einem Gottesdienst eingeweiht (woran diese geschnitzte Tafel erinnert). Morgen, Sonntag, wird dieses Ereignis ab 10 Uhr mit einem Festgottesdienst und einer Feier gewürdigt. (Foto: Jochen Miche)
Autor: jm

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