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06.08.2018
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km

Zwei schaffen den Harz

Es war 13:40 am gestrigen Sonntag, als wir den Bahnhof in Lutherstadt Eisleben erreichten. Nach einer kurzen Pause in einer Wimmelburger Tankstelle hatten wir die letzten vier Kilometer über den aufgeheizten Beton der ehemaligen B80 und das Eisleber Stadtgebiet hinter uns gebracht. Der 12. Harz-Hunderter Extrem von Seesen in Niedersachsen über den Harz nach Eisleben war damit Geschichte...

Glücklich nach 100 bzw. 147 km im Ziel vor dem Eisleber Bahnhof (v.l.n.r.): Bodo Schwarzberg, Detlef Koch (bereits umgezogen), Dr. André Petrasch, Christiane Grammlich. (Foto: privat) Glücklich nach 100 bzw. 147 km im Ziel vor dem Eisleber Bahnhof (v.l.n.r.): Bodo Schwarzberg, Detlef Koch (bereits umgezogen), Dr. André Petrasch, Christiane Grammlich.

Acht Starter hatten sich in diesem Jahr an die schwierige Tour unter Federführung der DAV-Sektion Halle gewagt, auf der mit Ausnahme von 4 Gaststätteneinkehren, jeder sein Essen und Trinken selbst tragen muss, bei mir waren das acht Kilo.

Drei Teilnehmer entschieden sich für die 48 Kilometer-Route von Seesen zum Brocken und damit für den schwierigsten Abschnitt der Langstreckenwanderung, zwei planten von vornherein die Gesamtstrecke von 147 Kilometern bis Eisleben ein, ein weiterer wanderte über 100 Kilometer von Seesen nach Straßberg und zwei Starter stießen auf dem Brocken zu uns, um 100 Kilometer bis nach Eisleben mitzuwandern.

Die zu erwartende Hitze trübte zunächst etwas die Vorfreude auf die Tour, aber im Schatten der Harzwälder ließ es sich doch besser, als erst gedacht, aushalten. Dennoch rannen reichlich Wasser, Bier, Cola und Säfte durch unsere Kehlen. Ich schätzte meinen eigenen Verbrauch auf 20 Liter in 40 Stunden (Foto). Die Gedanken an die ausreichende Getränkeversorgung prägten die Veranstaltung in diesem Jahr besonders. Wasser aus Harzbächen wurde ergänzend eingesetzt, teils mit Entkeimungstabletten abgesichert.

Elf Kilometer nach dem Start in Seesen um 21:30 (Foto) am Freitag erreichten wir die Gaststätte Zwergenstübchen in Lautenthal. – Beinahe hätte es nicht geklappt mit der Einkehr: Der Wirt hatte uns erst am Sonnabend erwartet, wir kamen aber schon am Freitag. Da die Wanderung drei Tage berührt, kommt es unter Umständen zu solchen Verwechslungen. Zweimal verliefen wir uns durch kleinere Unachtsamkeiten in der ersten Wandernacht, einmal, weil ein altbekannter Wegweiser fehlte. Dennoch waren wir gegen 9:30 am Sonnabendmorgen pünktlich auf dem höchsten Harzgipfel und hatten den schwierigsten Abschnitt der Tour und bereits knapp ein Drittel der Gesamtstrecke hinter uns gebracht.

Die Bahnhofsgaststätte hatten wir um diese Zeit noch fast für uns allein, nur der Stammtisch der Brockenwanderer war bereits besetzt. „Schichtwechsel“: Drei Seesen-Starter nahmen erschöpft und glücklich ihre Urkunden in Empfang, zwei, Dr. André Petrasch und Detlef Koch, stießen ausgeschlafen zu uns.

Beim Abstieg durch das Eckerloch trafen wir, wie immer schwer mit Autogramme schreiben beschäftigt, Brocken-Benno (Foto). Vor genau einem Jahr absolvierte er den 8.245. Aufstieg, am Sonnabend war es der 8.536. Nur fünf Tage im Monat ist Benno in den vergangenen 365 Tagen also nicht auf seinen Berg gestiegen. Auch diesmal hatte er wenig Zeit. Er musste eine Gruppe des Alpen-Vereins hinaufbegleiten.

In Schierke gab es für uns Langstreckler noch eine Einkehr beim Bäcker und im Supermarkt, dann folgte der 43 Kilometer lange Abschnitt über Elend, Königshütte, Trautenstein, Stiege, Güntersberge nach Straßberg über die Harzer Hochebene, nur unterbrochen durch ein paar kühle Biere und Schorles in Trautenstein. Das zweite Abendbrot der Tour in Straßberg pünktlich um 22:30 zu erreichen, ist hoch wichtig für uns vor der zweiten schlaflosen Nacht. Auf unsere Pünktlichkeit legen die Wirtsleute großen Wert, da sie nur wegen uns noch auf den Beinen sind. - Wir Wanderer müssen uns entsprechend anstrengen.

Eine gegenüber 2017 zwischen Straßberg und Dankerode optimierte Route verhinderte einen so großen Verlaufer wie in der zweiten Nacht damals. So konnten wir das sonntägliche Frühstück in Grillenberg (km 126), selten genug, diesmal tatsächlich pünktlich zwischen 7 Uhr und 7:30 erreichen. Gegen 8:45 begaben wir uns auf den letzten, knapp fünfstündigen Abschnitt der Strecke…

Mit Christiane Grammlich aus Kreischa bei Dresden (geb. 1974) erreichte zum zweiten Mal eine Frau beim Harz-Hunderter Extrem von Seesen aus das Ziel in Eisleben. Zudem ist sie der 17. Teilnehmer(in), der die Gesamtstrecke geschafft hat.

Und nun noch die aktuellen Ergebnisse:
  • Seesen-Brocken (48 km): Marienfeld, Jan (geb. 1970); Scherlies, Dirk (geb. 1964), Pabst, Uwe (geb. 1964)
  • Seesen-Straßberg (100 km): Hollerbuhl, Lutz (geb. 1977)
  • Seesen-Eisleben (147 km): Grammlich, Christiane (geb. 1974), Schwarzberg, Bodo (geb. 1964)
  • Straßberg-Eisleben (100 km): Petrasch, André Dr. (geb. 1955), Koch Detlef (geb. 1950)
Damit gibt es außer dem Wanderleiter bisher niemanden, der die Gesamtstrecke bisher mehr als einmal absolvierte.

Erschreckender Waldzustand

Da wir beim Harz-Hunderter Extrem einen guten Überblick über weite Teile des Harzes erhalten, sind unsere Beobachtungen zum Waldzustand möglicherweise verallgemeinerungsfähig. Es gab kaum keine durchwanderte Region ohne schwere Sturmschäden. Sowohl im Westharz, als auch im Hochharz, im mittleren Harz, als auch im Ostharz, war die Forstwirtschaft auch Monate nach dem Orkantief Friederike noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Ganze Hänge und Kuppen sind waldlos. Besonders schlimm sieht es im Wippertal westlich von Wippra und zwischen Güntersberge und Straßberg aus. Aber bei weitem nicht nur dort. An der Wipper-Talsperre war erst ein Teil des Baumchaos beräumt: Wir mussten im Dunkeln 40 bis 50 Bäume unter- oder überklettern.

Katastrophale Schäden hat auch der Borkenkäfer im Nationalpark hinterlassen (Foto). Die toten Fichtenwälder erinnern an jene durch den sauren Regen abgestorbenen aus den 80er Jahren, nur dass die braunen Nadeln noch hängen. Zwischen Brocken und Schierke sind wohl hunderte Hektar Wald abgestorben. Dürre- bzw. klimawandelbedingt kann es 2018 durchaus drei Käfergenerationen geben. Und die Fichten, die zumindest in Teilen des Hochharzes als natürliche Baumart gelten, ist durch die Dürre nur schwer in der Lage, Harz gegen die Käfer zu bilden.

Erschreckend war auch der trockenheitsbedingte Wassermangel. Die Wasserarme des UNESCO-Kulturerbes Harzer Wasserregal zwischen Bockswiese und Festenburg waren praktisch trocken, die zugehörigen Teiche wiesen, ebenso wie die Okertalsperre, deutliche Rückgänge beim gespeicherten Nass auf. Auch durch die kalte Bode bei Königshütte hätten wir, ohne die Schuhe auszuziehen, durchwaten können.

Wir haben die relative Kühle in den Harzwäldern als sehr wohltuend empfunden. Doch auch Laubwaldabschnitte waren stellenweise bereits vom trockenheitsbedingten Laubfall und von Laubfärbung betroffen. Ein erschreckendes Omen für die Zukunft, sind all diese Beobachtungen wenn, die Wetterextreme, wie prognostiziert, weiter zunehmen.

Auch im kommenden Jahr wird es wieder einen Harz-Hunderter Extrem geben. Dann könnte der Harz zum zehnten Mal in seiner ganzen Länge durchquert werden.
Bodo Schwarzberg
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
12. Harz-Hunderter Extrem über 147 km (Foto: B. Schwarzberg)
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