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Mo, 08:15 Uhr
07.05.2018
Gemeinsame Studie

Deutsche haben Angst, den falschen Arzt zu finden

Mehr als jeder vierte Deutsche (27 Prozent) befürchtet, aufgrund fehlender Informationen nicht den richtigen Arzt zu finden. Über die Hälfte der Bürger wünscht sich mehr wichtige und neutrale Informationen. Das wäre auch möglich, denn die Daten sind zum größten Teil vorhanden...

Grafik (Foto: Weisse Liste - Bertelsmann Stiftung) Klarer Favorit: Den Befragten ist es am wichtigsten, dass Arztsuchportale neutral und werbefrei sind. Die Grafik finden Sie in größerer Auflösung rechts oder in mobiler Ansicht unten.

Doch der deutschen Gesundheitspolitik fehlt ein Gesamtkonzept für mehr Transparenz über die Leistungen und die Ausstattungen von Arztpraxen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Weissen Liste und der Bertelsmann Stiftung auf Grundlage einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage von Kantar Emnid, einer Ländervergleichsstudie des IGES-Instituts sowie eines ergänzenden Rechtsgutachtens.

„Die bisherige Arztwahl in Deutschland basiert im weitesten Sinne auf dem Prinzip ‚Trial and Error‘. Die Mehrheit der Patienten weiß nicht, welche Expertise, Erfahrung und Ausstattung sie hinter der Praxistür erwartet“, so Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. „Dabei liegen viele dieser Informationen bereits vor. Andere Länder zeigen, wie sie zum Nutzen der Patienten öffentlich präsentiert werden können. Deutschland bleibt hier deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück“, so Mohn weiter.

Mehr als die Hälfte der Bürger wünscht sich mehr Informationen vor dem Besuch beim Haus- oder Facharzt. Wichtig sind den Befragten Informationen über:
  • Fachkenntnis und Erfahrungen mit der Behandlung der eigenen Krankheit (94 Prozent)
  • Hygiene in der Praxis (90 Prozent)
  • Zusatz-Leistungen – zum Beispiel Hautscreenings und Vorsorgeuntersuchungen (84 Prozent)
  • Behandlungsergebnisse des Arztes bei bestimmten Erkrankungen (80 Prozent)
  • Zufriedenheit anderer Patienten (75 Prozent)
  • Ausstattung der Praxis – zum Beispiel Röntgen- und Ultraschallgeräte (74 Prozent)
In allen Belangen jedoch fühlen sich die Befragten nicht ausreichend informiert. Am größten ist die Diskrepanz im Bereich der Praxis-Hygiene. Am wenigsten informiert fühlen sie sich Patienten über die apparative Ausstattung ihres Arztes.

Ginge es nach den Befragten, dann wäre das Internet ein passender Ort, diesen Informationsmissstand zu beheben. Allerdings sollten Arztsuchportale neutral und werbefrei sein (86 Prozent).

Daten vorhanden, Transparenz fehlt

„Patienten haben eine sehr genaue Vorstellung davon, welche Informationen ihnen fehlen, um mehr Sicherheit bei der Arztwahl zu erhalten. Aber in Deutschland werden ihnen diese bisher vorenthalten“, sagte Roland Rischer, Geschäftsführer der Weissen Liste.

Die Länderanalyse zeigt: In Deutschland werden Daten über die Ausstattung, das Leistungsspektrum und die Erfahrungen der Ärzte von den Kassenärztlichen Vereinigungen erhoben. Die deutsche Gesundheitspolitik sieht jedoch bisher nicht vor, diese öffentlich zu machen. Andere Industrieländer, allen voran England und die USA, gehen wesentlich offener mit ihren Daten um. Patienten können sich dort ohne Zugangsbeschränkungen darüber informieren, welche Leistungen ein Arzt wie oft und in welcher Qualität anbietet. Dazu werden Abrechnungsdaten von einer staatlichen Institution ausgewertet. Außerdem werden Patienten regelmäßig seriös zu ihren Erfahrungen mit dem Arzt oder der Praxis befragt.

Gegen mehr Offenheit beim Umgang mit Versorgungsdaten wird häufig der Datenschutz ins Feld geführt. Die Bertelsmann Stiftung hat ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um der Frage nachzugehen, ob der Datenschutz einer transparenteren Patienteninformation oder der Nutzung der Daten in der Versorgungsforschung im Wege steht. Das Ergebnis zeigt auf, dass die Privatsphäre der Patienten keineswegs gefährdet wäre, wenn Daten anonymisiert genutzt würden. Mit Blick auf die Ärzte müsse das Informationsinteresse der Öffentlichkeit jedoch gleichrangig mit deren Schutzbedürfnissen gewürdigt werden. Kommen zusätzliche Belange wie der Gesundheitsschutz und das Patientenwohl hinzu, kann die Offenlegung der Daten sogar geboten sein.

Ein Gesamtkonzept für besser informierte Patienten
„Die Studienergebnisse zeigen, dass Deutschland im internationalen Vergleich zurückbleibt. Unsere Gesundheitspolitiker sind nun gefordert. Sie sollten den gesetzlichen Rahmen so verändern, dass Patienten in Deutschland alle benötigten Informationen haben, um den richtigen Arzt zu finden. Nach dem Vorbild anderer Länder sollten sie eine neutrale Datenannahmestelle errichten und die Kassenärztlichen Vereinigungen dazu verpflichten, ihre Daten bereitzustellen“, so Rischer. „Darüber hinaus sollten Patientenerfahrungen, die Arztpraxen erheben, veröffentlicht werden. Dann hätten Arztsuchportale eine gute Basis, um dem ausgeprägten Wunsch der Patienten nach mehr Informationen über Qualität und Ausstattung von Ärzten nachzukommen“, schlussfolgert Rischer.
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Kommentare

07.05.2018, 10.09 Uhr
murmeltier | Gesundheitswesen
Im Gesundheitswesen geht es doch überwiegend ums Geld verdienen. Da ein neues Knie dort eine neue Hüfte. Da liegt es doch auf der Hand, dass solche Therapien angeboten werden, die Geld bringen. Die neu angeschafften Geräte müssen ja genutzt werden. Immer moderner werdende Geräte zum Wohle des Patienten oder zum Wohle der Gesundheitsindustrie?

Und wiederum, wer keine kontinuierlichen Patienten hat geht Pleite. Kann dieses System überhaupt zum Wohle des Patienten sein?
07.05.2018, 10.41 Uhr
Starlight | Den falschen Arzt???
Ich wäre ja schon froh überhaupt einen zu finden. Ich fahre zb mit meinem 4 jährigen, autistischen Sohn von Sondershausen nach Kölleda zum Augenarzt, weil die in Sdh überlaufen ist, ebenso alle Augenärzte in Nordhausen. Und dann diese Warterei bei den Fachärzten, das hält schon kein normaler Mensch aus, geschweige denn ein Mensch mit Beeinträchtigung. Der Kreis müsste neue Ärzte viel mehr unterstützen, damit sie sich hier niederlassen, dann gäbe es diese Knappheit nicht.
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