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So, 08:28 Uhr
15.10.2017
Anonymität, Handel und Kontrolle im „rechtsfreien“ Raum

Fünf Fakten zum Darknet

Was in Filmen alte Lagerhallen oder dunkle Ecken waren, spielt sich heute im Internet ab: Der digitale Umschlagplatz für Kriminelle ist das Darknet. Hier werden unter anderem Waffen, Drogen oder Pornographisches sowie Gewaltvideos verschlüsselt national und international verbreitet...

Abtauchen (Foto: sik-live/pixabay)
Für Aufsehen sorgte jüngst der Fall eines Kinderschänders, der ein Mädchen sexuell missbrauchte und Aufnahmen von ihm auf einer kinderpornographischen Plattform im Darknet verbreitete. Zu Fahndungszwecken trafen Ermittler die schwere Entscheidung, einige Fotos des Mädchens öffentlich zu machen. Hintergrundinfos zum Thema Darknet und welche strafrechtlichen Konsequenzen bei seiner Nutzung drohen, erläutert Markus Mingers, Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Mingers & Kreuzer.

Fakt 1: Das Darknet als Ort höchster Anonymität
Zunächst ist das Darknet ein mehrfach verschlüsselter, separierter Teil des Internets. Zugang erhält man durch Tor, ein Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten. Prinzipiell bietet das Darknet nicht nur einen Umschlagplatz für Kriminelle, sondern ist auch digitaler Raum für Oppositionelle in autoritären Regimen zur Kommunikation miteinander und nach außen oder für die, die ihre Privatsphäre besonders schützen wollen. Offen steht das Darknet jedem.

Fakt 2: Das Treiben im Darknet ist nicht kontrollierbar
Ist der User im Tor-Netzwerk, werden einzelne Knoten und deren Verbindung zueinander verschlüsselt, das heißt von außen ist weder ein Wer, Wo oder Was nachvollziehbar. Durch die Verschlüsselung der drei Knoten tauchen User sozusagen ab, Kontrolle ist nur erschwert möglich. Auch Ermittlungsbehörden können durch die Mehrfachverschlüsselung das Treiben im Darknet nicht überwachen.

Fakt 3: Die illegale Schwester von Amazon
Die größte Bekanntheit verschaffen dem Darknet illegale Deals und „heiße Ware“. Über das verschlüsselte Netz wird mit Waffen, Drogen, Falschgeld sowie Pornos gehandelt. Das Darknet ist vereinfacht also die illegale Schwester von Amazon. Hier bekommen User alles, von Bild- und Videomaterial von Gewalttaten bis hin zu Schadsoftware.

Fakt 4: Wachsende Anonymität, sinkende Hemmschwelle
Wo man früher noch selbst auf die Straße musste, an dunkle Orte und zu gefährlichen Dealern, kann man durch das Darknet heute ganz bequem Drogen oder Waffen von zu Hause aus bestellen. Mit der wachsenden Anonymität sinkt gerade bei jüngeren Käufern auch die Hemmschwelle. Es ist denkbar einfach, an Illegales zu gelangen – und dafür muss man nicht einmal vor die Tür.

Fakt 5: Besorgniserregende Größe des dunklen Internets
Die angebotenen Produkte können im Darknet in wesentlich höheren Zahlen verkauft werden. Das Ausmaß ist kaum zu erfassen. Das Darknet ist riesig und relevanter, als viele glauben. Die Zahl der Darknet Nutzer wächst – zwar wird auch die Strafverfolgungen immer besser, doch bleiben die „großen Fische“ im dunklen Netz weiterhin verborgen.

Rechtliche Konsequenzen für Darknet User

„Verboten ist das Surfen im Darknet nicht“, erklärt Mingers. „So ist auch nicht jeder Nutzer dort kriminell – doch hier verwischen die Grenzen zwischen Illegalem und Legalem schnell, daher sollte man von einem Abstecher besser absehen.“ Spuren hinterlassen Besucher des Darknets kaum, sie sind nahezu unsichtbar. Lediglich im Cache finden sich Pfade, die sich jedoch löschen lassen. „Reines Betrachten von Inhalten im dunklen Netz ist in der Regel nicht illegal. Kommt man jedoch zufällig auf eine Seite mit kinderpornographischen Inhalt, so macht man sich allein durch diese Handlung strafbar“, weiß der Rechtsexperte.

Für den Kauf von Falschgeld im Darknet drohen Freiheitsstrafen von mindestens zwei Jahren. „Auch beim Kauf von ‚normalen‘ Produkten wie zum Beispiel einem iPhone wird eine Straftat begangen. Wer ein Produkt weit unter dem eigentlichen Verkaufspreis erwirbt, kann davon ausgehen, dass es sich um Diebesgut handelt. Dafür können Käufer auch rechtlich belangt werden, und zwar auf Straftatbestand der ‚Hehlerei‘. Hier hängt das Strafmaß auch von der Menge ab: zu erwarten sind bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe“, so Markus Mingers.

Gewerbsmäßiger Handel mit gefälschten Ausweis-Dokumenten wie Personalausweise oder auch gefälschte Führerscheine können dem Verkäufer bis zu fünf Jahre Gefängnis einbringen. Dies unter anderem wegen Urkundenfälschung oder im schlimmsten Fall Identitätsdiebstahl. Auch der Ankauf gefälschter Dokumente steht unter Strafe. Beim Engagieren eines Hackers drohen entweder eine satte Geld- oder bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.

Übrigens: Auch wenn sich User nahezu unsichtbar im verschlüsselten Internet bewegen, so sind hier Viren und Malware im Überfluss zu finden. Firewalls sind nahezu nutzlos. Nicht zu unterschätzen ist auch das Treiben von Kinderporno-Ringen und Pädophilen im frei zugänglichen Internet. Die Masse an Usern, Adressen und Daten dient im umgekehrten Fall der Anonymität und einem leichteren Verschwinden in der Masse.
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Kommentare

17.10.2017, 09.18 Uhr
Kritiker2010 | Digitale Bevormundung - glauben Sie nicht alles zum Thema Darknet!
Welche von Heikos Märchentanten hat sich denn hier wieder ausgetobt?

Das "Darknet" als solches gibt es nicht. Es handelt sich um das gleiche Internet, welches Sie jeden Tag zum Shoppen und Surfen nutzen, mit hellen und dunklen Websites, Werbung und Viren. Den Unterschied machen zwei Dinge: 1. welche Websites sie tatsächlich aufrufen und 2. wie identifizierbar Sie dabei sind.

Denn, Sie könnten die strafrechtlich relevanten Websites und Inhalte (in der Regel) ebenso mit einem normalen Webbrowser aufrufen. Dann wären Sie aber, mit einem gewissen Aufwand und über Umwege, zumindest für die Behörden identifizierbar.
Wenn Sie einen Anonymisierungsdienst wie z. B. den Tor-Browser bzw. das Tor-Netzwerk nutzen, wird jedoch das zentrale Element der Identifizierung (Ihre IP-Adresse) verschleiert.

Stellen Sie sich das einfach so vor, als würden Sie sich im realen Leben eine Maske aufsetzen und sich "ganz normal" durch die Stadt bewegen. Ob Sie dann im Supermarkt einkaufen oder in einem dunklen Hinterhof Drogen konsumieren oder aber Recherchen zu Korruption und Menschenrechtsverletzungen anstellen, steht auf einem anderen Blatt.

Ohne Frage können Menschen mit entsprechenden Neigungen verbotene digitale Inhalte so scheinbar einfacher konsumieren und verbreiten oder auch verbotene Dinge kaufen. Zumindest der Weg der realen Gegenstände, wie Waffen oder Drogen, führt aber nicht durch die Telefonleitung, sondern benötigt ganz normale Logistik-Unternehmen - wie Post, DPD und Co. Alternativ setzen sich die Leute ins eigene Auto und holen die "heiße Ware" gleich selbst in einem unserer Nachbarländer ab. Dank offener Grenzen ist das ja kein Problem – scheint aber im Bewusstsein derer, die die ganze Welt zu uns einladen, noch nicht angekommen zu sein.

Die Ursache liegt letztlich tiefer: Unsere Welt wird durch die Medien auf Gewalt und Enthemmung getrimmt. Fragwürdige soziale Milieus feiern sich im Berieselungsfernsehen selbst, Hollywood füllt unsere Kinos, ohne erkennbare Zensur, vorzugsweise mit Gewalt-Exzessen und nachgedacht wird bei der medialen Überreizung ohnehin nur noch selten.

Das „Darknet“ zu verteufeln ist nur ein weiterer Versuch, diejenigen zu kontrollieren und zu bevormunden, die es ohnehin mit sich machen lassen. Kriminelle haben noch tausend andere Mittel und Wege auch im „normalen“ Internet. Vielleicht sollte man nicht nur an den Symptomen herumdoktern, sondern die Ursachen verstehen und den Hebel dort ansetzen. Dabei helfen allerdings keine „Ich verstehe Dich“-Sozialarbeiter.

Die Anonymisierung der eigenen Person im Internet ist vielleicht in absehbarer Zukunft absolut notwendig - auch für ganz normale Bürger der Sorte "Ich habe doch nichts zu verbergen." Science-Fiction ist bereits Alltag und die aktive Manipulation ist bereits voll im Gang.
17.10.2017, 19.23 Uhr
aikido | Wo bleiben die 5 positiven Fakten zum Darknet?
Danke "Kritiker2010", Sie haben es auf den Punkt gebracht!
Ich glaube dieser Zeitungsartikel, soll den "dummen Schafen" in der Bevölkerung einfach nur sagen, das alles richtig ist, was sie machen und das sie keinesfalls den Ort verlassen sollen, an dem alles gut und sicher ist.
(weil man sie sonst nicht permanent überwachen kann und auch nicht die Inhalte kontrollieren kann, die sie konsumieren bzw. mit denen sie sich auseinandersetzen. )
Nicht das noch einer ins "Darknet" geht und sich plötzlich gegen den deutschen Staat auflehnt... viel zu gefährlich...
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